Periimplantitis-Behandlung

Von Prof. Lavin Flores-de-Jacoby

Periimplantitis ist ein inflammatorischer irreversibler Prozess um die Gewebe eines in Funktion befindenden osseointegrierten Implantates, der zum Verlust von Stützknochen führt. Periimplantäre Mukositis ist im Gegensatz dazu eine reversible entzündliche Veränderung des periimplantären Weichgewebes ohne Knochenverlust. Die Verbreitung der periimplantären Mukositis ist von 8% bis 44 % und der Periimplantitis von 1% bis 19 % angegeben.

Die Periimplantitis ist die klinische Darstellung und die biologische Veränderung eines sogenannten „late implant loss”, das heißt Implantatverlust nach funktioneller Belastung. Er wird angegeben mit einer Rate von 2,1% bis 11,3 % in einer Beobachtungszeit von 5–10 Jahren. Einige Faktoren werden als Ursache für den Implantatverlust (late implant loss) vermutet. Darunter fallen z. B.: funktionelle Belastung, allgemeine Erkrankungen wie z. B. Diabetes bzw. Osteoporosis, Strahlen- bzw. Medikamenteneinfluss, das Rauchen, schlechte Mundhygiene, unsaniertes parodontal erkranktes Gebiss und fehlendes Recall, etc. In einer Langzeitstudie (9–14 Jahren) mit einer Gruppe von parodontalerkrankten und parodontalgesunden mit Implantat versorgten Patienten in Schweden wurde bei 1,7% ein Implantatverlust aufgrund der insuffizienten Suprakonstruktion festgestellt. Eine Autorengruppe gibt auch einen Implantatverlust mit einem Faktor von 2,5 bei Rauchern (16,6% Implantatverlust beim Raucher gegenüber 6,9% beim Nichtraucher) an. Aber die Menge der dokumentierten Patienten mit Implantatverlust bei Rauchern ist so gering, dass das Rauchen in allen bis jetzt publizierten Studien nur als eine Tendenz zum Implantatverlust und nicht als Risikofaktor angesehen werden muss.

Regelmäßige Kontrolle ist wichtig
Der natürliche parodontale und der künstliche periimplantäre Apparatus sind biologisch separate Gebilde. Trotzdem weisen sie Ähnlichkeiten in Bezug auf das Vorhandensein eines Sulcus aus Weichgewebe und eines Teils des Stützgewebes aus Hartgewebe (Alveolar bzw. periimplantärer Knochen) auf. Der einzige Faktor, der eine signifikante Assoziation mit Implantatverlust in einer Langzeitstudie (9–14 Jahren) zeigte, wurde bei Patienten gefunden , die eine Parodontitisgeschichte hatten (Überlebensdauer von 90,5% im Vergleich zu Parodontalgesunden von 96,5 %). Periimplantitis und Periodontitis haben trotz der biologischen Unterschiede der ursprünglichen Einheiten vergleichbare Ätiologie. Die Mikrobiota an Implantaten und Zähnen bei Teilbezahnten ist ähnlich und vermeintliche Parodontopathogene werden in der Regel an Implantaten mit umgebendem entzündenden Gewebe gefunden. Der gingivale Sulcus dient als Bakterien-Reservoir, und diese kolonisieren das Implantat. Obwohl der Periimplantitisverlauf sich nicht komplett mit einer Progression einer Parodontitis widerspiegeln kann, existieren zwischen beiden einige Ähnlichkeiten. Wie bei Parodontitisbehandelten ist auch bei Implantitispatienten die Kontrolle in regelmäßigen Abständen von immenser Bedeutung, um eine Perimukositis bzw. Periimplantitis zu vermeiden.


Langzeitstudien haben ergeben, dass Implantatpatienten ohne Recall-System spätestens nach zehn Jahren an Periimplantitis leiden. Je länger ein Implantat in der Mundhöhle ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Periimplantitis. Eine lokale anatomische Gegebenheit scheint für die Entwicklung von periimplantären Infektionen auch von Bedeutung zu sein: Die Abwesenheit von keratinisierter Mukosa wird stark  mit Infektionsentwicklung um die periimplantären Gewebe assoziiert.


Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der Periimplantitis ist bis heute eine unbefriedigende Angelegenheit. Zahlreiche Ansätze sind aufgrund von Erkenntnissen aus experimentellen und aus klinischen Studien vorgeschlagen worden. Von geschlossener Kürettage, über offene Verfahren, entweder als alleinige Maßnahme oder in Verbindung mit Knochen bzw. Knochenersatz-materialien mit oder ohne Membran bis hin zur Osteoplastik und apikaler Verschiebelappen. Ebenfalls wird die Detoxifikation der zum Taschenmilieu exponierten Implantatoberfläche empfohlen unter Verwendung verschiedener Mittel (Listerine Spülungen, Delmopinol, Chlorhexidin-Irrigation, lokale Antibiotika). Einige Autoren empfehlen dafür die Anwendung von Air flow und sogar systemische Antibiotika. Es gibt wenig vergleichbare experimentelle Studien zur Behandlung der Periimplantitis, wobei hier die Erkenntnisse gewonnen wurden, dass Knochenneubildung in Kontakt mit Wurzeloberflächen unter Verwendung von Membranen stattfinden kann. Ob sich aber auf allen exponierten Windungen der Fixturen neuer osseointegrierter Stützknochen gebildet hat, ist aus den Studien nicht ersichtlich. Für die Säuberung (Detoxifizierung) der Implantatoberflächen scheinen die der Air-flow-powder keinen Vorteil zu haben. Vor diesen Maßnahmen wird auf alle Fälle als Initialtherapie eine supra- und subgingivale mechanische Säuberung der Implantatoberfläche mit Kunststoffspitzen (egal, ob Ultraschall und/oder Handinstrumenten)
empfohlen und wenn eine Politur, dann nur mit Kelchen und feinkörniger Polierpaste.

Fazit
Viele der empfohlenen Maßnahmen zur Behandlung der Periimplantitis stammen aus Fallberichten. Alle Berichte liefern Beweise, dass die Anstrengungen zur Reduktion der submukosalen Infektion eine kurzzeitige Verbesserung der periimplantären Läsion zur Folge haben können. Es verbleiben aber jedoch bezüglich der Behandlung der Periimplantitis verschiedene Unsicherheiten. Eine erfolgreiche Periimplantitisbehandlung hat sich bis heute nicht verwirklicht. Mit den bis heute empfohlenen Maßnahmen können eine Vorhersehbarkeit sowie das Ausmaß und Stabilität der Verbesserungen nach Periimplantitisbehandlung nicht etabliert werden. Neuentwickelte Materialien und Oberflächenbeschichtung erhoffen sich bessere Ergebnisse in der Behandlung der Periimplantitis und eine bessere Adaption der marginalen Weichgewebsmanschette am Implantat bzw. an der Suprakonstruktion. Erwartet wird ebenfalls eine reduzierte bakterielle Adhäsion und Plaqueansammlung an diesen Oberflächen.

 

 

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